Simon Diezi
und die Gemeinde Thal suchen nach Wohnungen für Flüchtlinge
Im Streit um die Christkind-Post in Wienacht-Tobel geraten Robert Zellweger und Verkehrsvereinspräsidentin Claudia Bohner aneinander. Während Zellweger wegen fehlender Unterstützung und umstrittener Äusserungen seinen Rücktritt erklärt, weist Bohner zentrale Vorwürfe nun zurück und nimmt erstmals öffentlich Stellung.
Wienacht-Tobel Seit sechs Jahren sitzt Robert Zellweger in der Adventszeit an seinem hölzernen Sekretär und beantwortet Briefe, die aus allen Himmelsrichtungen im kleinen Wienacht-Tobel eintreffen. Die Post kommt aus der Schweiz, aus Europa, aus Kanada, Australien und – zunehmend – aus Asien. Die Briefe, die per Post nach Wienacht-Tobel kommen, sind an das Christkind adressiert. Zellweger hat diese Aufgabe einst von Willi Würzer (†) übernommen, dem bekannten Pöstler des Dorfes, der die Christkind-Post bis ins hohe Alter beantwortet hatte.
Für Zellweger war es über Jahre hinweg eine Herzensangelegenheit, die Kinderbriefe mit Sorgfalt und Feingefühl zu beantworten. Doch nun, das kündigte er gegenüber der «Appenzeller Zeitung» an, werde er den Stift niederlegen. Dafür gebe es zwei Gründe: Die Flut an Briefen habe massiv zugenommen, und die finanzielle Unterstützung des Verkehrsvereins Lutzenberg bleibe künftig aus.
Zellweger sagt, er habe im vergangenen Jahr rund 2200 Franken allein für Material ausgegeben: Briefpapier, Marken, Kuverts, Stifte. Bisher übernahm der Verkehrsverein zumindest die Portokosten, und nach seiner Pensionierung sei ihm zugesichert worden, künftig auch das Material zu finanzieren. Umso grösser sei sein Erstaunen gewesen, als er Ende September eher zufällig erfuhr, dass der Beitrag für das Christkind künftig auf 700 Franken pro Jahr gedeckelt werden solle. Nicht offiziell, nicht schriftlich, sondern beiläufig, wie er betont. Für ihn war das ein Zeichen mangelnder Wertschätzung. Und es war wahrscheinlich der Beginn eines Konflikts, der im Rücktritt Zellwegers mündete.
Gravierend sind jedoch Äusserungen, die Zellweger der Präsidentin des Verkehrsvereins, Claudia Bohner, zuschreibt. Auf seine Nachfrage, warum der Betrag plötzlich beschränkt werde, soll Bohner erklärt haben, die Christkind-Briefaktion bringe dem Verein «keine Erträge». Zudem habe sie angemerkt, er könne «asiatische Briefe» aufgrund kultureller Unterschiede auch einfach unbeantwortet lassen.
Gegenüber den Bodensee Nachrichten nimmt Claudia Bohner nun Stellung und widerspricht in mehreren Punkten. «Es wurden Fehler gemacht, ja», sagt sie, legt aber Wert auf eine Präzisierung: Der Artikel der «Appenzeller Zeitung» bedürfe einer Richtigstellung. Tatsächlich habe der Verkehrsverein eine Kostenobergrenze beschlossen, allerdings bei 1000 Franken. Dabei sei zudem vorgesehen gewesen, dass zusätzliche Mittel bei der Gemeinde beantragt werden sollten. Ebenfalls sei es richtig, dass dieser Beschluss nie offiziell an Zellweger übermittelt wurde. «Beides war falsch, und dazu stehe ich. Die Deckelung war ein Fehler. Erst recht, dass wir ihn nicht offiziell informierten.»
Nach Bekanntwerden des Konflikts sei es jedoch zu einem gemeinsamen Gespräch gekommen. Man habe sich entschuldigt, und der Verkehrsverein habe zugesichert, für dieses Jahr nochmals sämtliche Kosten zu übernehmen, sagt Bohner.
Die Präsidentin des Verkehrsvereins betont zugleich: «Das Wort 'Profit' habe ich nie in den Mund genommen.» Und ebenso entschieden weist sie die Anschuldigung zurück, sie habe empfohlen, Briefe aus Asien nicht mehr zu beantworten. «Das kam ebenfalls nie aus meinem Mund. Für den Verkehrsverein Lutzenberg war es immer selbstverständlich: Wenn das Christkind antwortet, dann antwortet es allen Kindern, egal aus welchem Teil der Welt.» Zellweger hingegen scheint an seinem Entscheid, vom Amt des Christkinds zurückzutreten, festzuhalten.
Der Verkehrsverein möchte dennoch an der Tradition festhalten. «Wir tun alles dafür, dass Kinder aus der ganzen Welt weiterhin eine Antwort aus Wienacht erhalten», sagt Bohner. Die Christkind-Post sei ausserdem eine Hommage an Willi Würzer und eine Besonderheit des Dorfes, die man nicht aufgeben wolle. Offen bleibt allerdings, wer künftig die Briefe beantworten wird. Und auch, wer die Kosten tragen soll ist noch nicht geklärt. Sponsoren seien denkbar, sagt Bohner, dieSuche danach müsse jedoch erst beginnen. Bohner verspricht: «Der Verkehrsverein wird sich mit diesen Fragen demnächst auseinandersetzet und nach einer Lösung suchen.»
Von Marino Walser
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