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Dominik Bernet aus Rorschach ist Drehbuch- und Romanautor. Rorschacher Echo
Dominik Bernet aus Rorschach ist einer der Preisträger des diesjährigen Treatment-Wettbewerbs des Kantons St. Gallen. Seine Filmidee wurde von der kantonalen Filmkommission ausgezeichnet und mit 15’000 Franken unterstützt. Das ermöglicht es den Filmschaffenden, ihre Idee weiter auszuarbeiten.
Rorschach Rorschach Der Kanton St. Gallen führt den Treatment-Wettbewerb seit 2017 alle zwei Jahre durch. Ziel ist es, Filmstoffe mit starkem regionalem Bezug zu fördern und kantonalen Themen sowie Drehorten mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Ein Erfolgsbeispiel für den Treatment-Preis ist «Friedas Fall» von Michèle Minelli. 2017 wurde das Treatment noch unter dem Titel «Die Verlorene» ausgezeichnet. Der Spielfilm feierte im Oktober 2024 Premiere am Zürich Film Festival und wurde sehr erfolgreich. Aus den 19 in diesem Jahr eingereichten Projekten wurden vier ausgewählt, darunter «Der Scharlatan von Seite 28 oder: Die Vor- oder Nachteile des ewigen Lebens» von Dominik Bernet. Die Jury lobte insbesondere die Innovationskraft und Eigenheit der ausgezeichneten Projekte.
«Ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut – jedes Filmprojekt steht und fällt mit der Finanzierung», sagt Bernet. Als Autor sei man stets alleine zu Beginn und müsse dafür sorgen, Geld für geplante Projekte aufzutreiben. «Das ermöglicht es mir, meine Idee überhaupt auf Papier zu bringen», so Bernet. Mit den 15'000 Franken kann der Rorschacher seine Idee zum Film nun auf rund 30 Seiten zusammenfassen. «Es ist eine szenischer Prosatext, der mir ermöglicht, in einem zweiten Schritt auf mögliche Produzenten zuzugehen», erläutert Bernet. Heisst, der Film ist in seinem Treatment zwar in Szenen aufgeschlüsselt, Dialoge folgen dann aber erst im späteren Drehbuch. Erst wenn sich jemand auch für das Filmprojekt interessiert, ginge der Prozess des Drehbuchschreibens los. «Auch dann gilt es erneut, Fördergelder zu beantragen. Es ist ein sehr langer Prozess, bis es auch nur ansatzweise zu Dreharbeiten kommen kann», meint Bernet. Daher sei der Treatment-Wettbewerb eine aussergewöhnliche Möglichkeit für Filmschaffende. «Sonst müssten wir das Geld herzaubern.»
Bernet schreibt neben Drehbüchern auch Romane – das bereits seit über 20 Jahren. Auch dort ist die Finanzierbarkeit ein Thema. «Teilweise sind es Querfinanzierungen aus dem Erlös erfolgreicher Projekte oder ich schreibe für andere Produktionen, um weiter meine eigenen Bücher realisieren zu können. Das Schönste ist natürlich, wenn man ein Projekt von Grund auf selbst machen kann – dass also nicht schon am Anfang gleich jemand mitredet und ich unabhängig arbeiten kann», sagt der Autor. Mit dem allein arbeiten ist spätestens nämlich beim Drehbuch Schluss. «Bei einem Filmdreh sind bis zu 50 Personen beteiligt, Produktion, Regie, Dramaturgie und teilweise auch Schauspielende bringen sich ins Drehbuch ein. Heisst, es werden an der ursprünglichen Version viele Anpassungen vorgenommen», so Bernet.
Die Idee zu «Der Scharlatan von Seite 28» entstand durch Bernets Tätigkeit beim Kulturverein Schloss Wartegg, wo auch sein geplanter Film über weite Strecken spielen soll. «Ich lernte die Schlossgeschichte von Otmar Elsener kennen. Darin wird auf Seite 28 beschrieben, wie 1691 Marquis du Villard auf Schloss Wartegg kam – ein berühmter Alchemist», erzählt Bernet. Alchemisten galten damals als umstritten: Als Vorgänger der heutigen Chemiker reichte ihr Spektrum von der Pharmazie bis zur Goldherstellung und der Suche nach dem Stein des Weisen, der ewiges Leben garantieren sollte. «Alchemist zu sein war riskant, denn man wurde an den eigenen hehren Versprechungen gemessen . Auch du Villard gelang es nicht, Gold zu machen – deshalb war er auf der Flucht und wurde verhaftet», so Bernet. Selbst in Haft erhielt er jedoch ein Labor, um endlich Gold herzustellen und so seine Gläubiger auszahlen zu können. «Am Ende wurde er zum Tode verurteilt, allerdings wegen Bigamie», sagt Bernet. Diese reale Geschichte bildet die Grundlage, die Bernet fiktional erweitert.
In seiner Geschichte entkommt der Alchemist Marquis du Villard 1692 seiner Exekution, indem er dem resignierten Scharfrichter Volmar den Stein des Weisen anbietet. Doch die Herstellungsbedingungen des Elixiers sind so flüchtig wie rätselhaft. Misstrauen, Gier und Neid wachsen sich über die Jahrhunderte – das Elxier hält also sein Versprechen – zur bald lebensbedrohlichen Konkurrenz zwischen dem Aristokraten und dem zum Revolutionär avancierten Scharfrichter aus, obwohl sie eigentlich füreinander bestimmt wären. Bernet hat vor, eine Komödie zu schreiben, die zumindest in ihrer Ausgangslage auf wahren Begebenheiten beruht. «Die Zuschauenden sollen was zu lachen haben, aber auch zum Denken angeregt werden», so Bernet. Die beiden Männer – beides Figuren, die von der Gesellschaft ausgestossen wurden, sich aber danach in unterschiedliche Richtungen bewegen. «Der Scharfrichter brach aus seinem sozialen Gefängnis aus und wird Revolutionär. Der Alchemist glaubt an den Adel. Diese Kontraste haben wir heute in moderner Form immer noch», sagt Bernet.
Spannend findet Bernet vor allem, dass die beiden Männer sich über mehrere Jahrhunderte bewegen und sich im heute finden müssen. «An den beiden, die sich ständig streiten, sieht man: Eigentlich sind wir doch weit gekommen, wir haben es gut, aber machen durch unsere zutiefst menschlichen Konflikte und überdrehten Bedürfnisse alles kaputt», meint der Autor. Ausserdem würde die Frage aufgeworfen, ob es erstrebenswert wäre, durch den Stein des Weisen ewig zu leben. «Das hat mich interessiert – wo wir heute stehen und wie wir in die sattsam bekannten Schwierigkeiten geraten sind, in denen wir stecken. Gier, Neid, Konkurrenzdenken und das Streben nach Dominanz scheinen in uns eingebaut zu sein.» Mit der Komödie soll humorvoll auf Krisenzeiten geschaut werden und mit einem Augenzwinkern Dinge hinterfragen werden. Nachdem Bernet das Treatment geschrieben hat, möchte er bereits auf Produzenten zugehen, die er kennt. «Wer weiss, vielleicht finde ich bereits interessierte Personen. Ansonsten werde ich die Idee weiteren Produzenten vorstellen», so der Rorschacher.
Danach gehe es an die Überarbeiteung und die Beantragung von Fördergeldern für das Drehbuch. Ist dieses fertiggestellt, geht das Spiel mit den Fördergeldern erneut los – dann aber für die Dreharbeiten. «In der Filmbranche braucht es vor allem Geduld. Es kann schnell zehn Jahre dauern, von der ersten Idee bis zum fertigen Film», sagt Bernet. Das war auch bei «Friedas Fall so – ausgezeichnet vor neun Jahren, kam er erst 2024 in die Kinos.
«Natürlich kommt es auch vor, dass gewisse Projekte gar nicht zustande kommen und man sie gehen lassen muss», sagt Bernet. Und sollte der Film nicht in die Kinos kommen, könnte er sich auch vorstellen, dass die Geschichte als Theaterstück funktioniert. Erst einmal bleibt er aber dran. «Auch wenn es Geduld braucht: ich mache das alles sehr gerne», meint er.
Stefanie Rohner
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