Goldach sagt Ja zu Steuerplus und Zusammenarbeit
Trotz Gegenantrag der SVP stimmte Mehrheit für eine Steuererhöhung um vier Prozent
Von Astrid Nakhostin
Die Stimmberechtigten von Goldach stimmten über mehrere Anträge ab
Von Astrid Nakhostin
Goldach Gut eineinviertel Stunden dauerte die Bürgerversammlung am vergangenen Montagabend in der Wartegghalle in Goldach. Dabei anwesend waren 462 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, was einer Beteiligung von 7,89 Prozent entsprach. Im Zentrum standen zwei Vorlagen: die Erhöhung des Steuerfusses sowie der Beitritt zum Unternehmen «Gemeinde- und Verwaltungsdienste Region Rorschach.Erstere war umstritten.
Wie Gemeindepräsident Dominik Gemperli erläuterte, fiel die Jahresrechnung 2025 deutlich besser aus als erwartet. Statt eines Defizits resultierte ein Überschuss von rund einer Million Franken – vor allem dank höherer Steuereinnahmen und Ausgabendisziplin. Dennoch sieht der Gemeinderat strukturelle Probleme: Die Ausgaben steigen seit Jahren schneller als die Einnahmen, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales. «Die Aufwände überschreiten auch weiterhin die Erträge», hielt Gemperli fest. Selbst mit der geplanten Steuererhöhung bleibe ein Defizit bestehen.
Vor diesem Hintergrund beantragte der Gemeinderat eine Erhöhung des Steuerfusses um vier Prozentpunkte auf neu 99 Prozent. Diese soll Mehreinnahmen von knapp einer Million Franken bringen und das strukturelle Defizit zumindest verkleinern. Dabei machte der Gemeindepräsident deutlich, dass sich Goldach trotz dieser Anpassung weiterhin in einem vergleichsweise günstigen Rahmen bewegt. Der durchschnittliche Steuerfuss im Kanton St. Gallen liegt bei rund 111 Prozent und nur 14 Gemeinden im Kanton haben bislang einen Steuerfuss von 95 Prozent und weniger. Goldach bleibt mit 99 Prozent auch künftig unter dem kantonalen Schnitt. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass der Steuerfuss in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist.
Die SVP stellte die Notwendigkeit infrage. «Der einfache Weg ins Steuergeld darf nicht die Lösung sein», sagte dazu Jürg Lindenmann von der SVP Ortspartei Goldach. Stattdessen forderte die Partei zusätzliche Sparanstrengungen und mehr Transparenz bei den Finanzen. Auch wurde argumentiert, dass die Gemeinde über ausreichend Eigenkapital verfüge, um Defizite vorübergehend aufzufangen.Unterstützung erhielt der Gemeinderat hingegen von der FDP, der Mitte und der SP. So wurde die Anpassung als notwendiger Schritt bezeichnet, um die finanzielle Stabilität langfristig zu sichern. «Wir wollen keinen radikalen Abbau von Dienstleistungen», betonte Lucia Krempl-Gnädinger, Vorstandsmitglied der Mitte Region Rorschach und ergänzte, dass «die fetten Jahre» nun aber leider vorbei seien. Dass die angespannte Debatte auch ihre leichten Momente hatte, zeigte sich unmittelbar vor der Abstimmung: Gemperli sprach versehentlich von einem aktuellen Steuerfuss von «25 Prozent» statt 95 Prozent – ein Versprecher, der im Saal für hörbares Gelächter sorgte und die Stimmung kurz auflockerte. In der Sache blieb es jedoch ernst: Die Steuererhöhung wurde schliesslich von der Mehrheit der Bürgerschaft gutgeheissen.
Ebenfalls deutlich angenommen wurde die zweite zentrale Vorlage: Goldach beteiligt sich künftig an einer gemeinsamen Verwaltungsorganisation mit Rorschach. Ziel ist es, Dienstleistungen effizienter zu organisieren, Fachkräfte besser einzusetzen und langfristig Kosten zu stabilisieren. Die neue Organisation soll operative Aufgaben übernehmen, während die politische Verantwortung bei den Gemeinden bleibt. Der Gemeindepräsident betonte: «Es ist keine versteckte Fusion – sondern die Idee, Verwaltungsaufgaben gemeinsam besser zu lösen.» Gleichzeitig wurden auch Erwartungen formuliert. Aus der Versammlung kam der Hinweis, die neue Struktur dürfe «nicht teurer werden» und müsse sich an klaren Effizienzgewinnen messen lassen.
Gemeindepräsident Gemperli machte deutlich, dass weitere Einsparungen vor allem bei Leistungen spürbar wären. «Eine attraktive Gemeinde macht nicht nur der Steuerfuss aus», betonte er – entscheidend seien auch Schule, Infrastruktur und Angebote. Mit der Kombination aus moderater Steuererhöhung und verstärkter Zusammenarbeit setzt Goldach nun auf einen doppelten Ansatz: kurzfristige Stabilisierung der Finanzen und langfristige strukturelle Anpassung.
Astrid Nakhostin
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