Reto Labhart hört in der "Musigbar Mariaberg" auf.
21.04.2026 15:00
Kritische Worte zum Abschied
Reto Labhart hört in der "Musigbar Mariaberg" auf und wirtet ab dem Sommer nur noch in der "Hafenmole" Staad
Nach fast zwei Jahrzehnten in der Rorschacher Gastronomie zieht Reto Labhart in der Hafenstadt einen Schlussstrich. Der Wirt der "Musigbar Mariaberg" verabschiedet sich am 25. April mit dem Anlass "1000 Tage Treppi". Anlässlich seines Rückzugs spricht er über das geänderte Besucherverhalten und kritisiert die Behörden. Die Stadt weisst die Vorwürfe jedoch entschieden zurück.
Gastroszene Reto Labhart ist in Rorschach längst eine feste Grösse: Seit 2007 prägte er die lokale Barszene, zunächst während gut zwölf Jahren in der Münzhofbar und anschliessend ab 2019 die Musigbar Mariaberg. Ausserdem rief er die Sommereventreihe «Rorschach – da isch Musig» ins Leben. 2017 erhielt Labhart für seine Verdienste vom Gewerbeverein sogar den «Goldenen Anker».
Nun aber kehrt er der Rorschacher Gastroszene den Rücken. Und spart dabei nicht mit Kritik. Seinen Abschied aus der Münzhofbar 2019 erklärt er mit starren Regeln. «Ein Fumoir wurde mir nicht bewilligt. Dabei gehört das Rauchen für viele klassische Barbesucher einfach dazu», sagt Labhart. Der Wechsel an die Hauptstrasse sei deshalb für ihn eine Chance gewesen. Vor allem wegen der Idee, auf dem Lindenplatz auch ein Gartenlokal zu betreiben.
«Wertschätzung für Gastronomie hat Luft nach oben»
Doch aus der Hoffnung wurde schnell ein Zwist zwischen dem Mariaberg Wirt und der Stadt. Labhart sagt, das Gartenlokal sei ihm ursprünglich bewilligt worden. Er hätte das Lokal ohne Gartenbeiz auf keinen Fall übernommen. «Mein Gesuch wurde vom damaligen Stadtrat unter Präsident Thomas Müller genehmigt, inklusive schriftlich klar definierter Öffnungszeiten für den Lindenplatz.» Er habe rund 100’000 Franken in den Standort investiert. Durch die Coronamassnahmen sei die Lage aber gekippt. Der aktuelle Stadtpräsident hat diese Bewilligung als nicht existent taxiert. Mehrere Eingaben hätten nichts gebracht. Labhart sagt: «Die allgemeine Wertschätzung für die Gastronomie hat deutlich Luft nach oben in Rorschach».
Stadt widerspricht den Vorwürfen
Die Stadt Rorschach sieht das anders, wie die Stadtkanzlei ausführt. Die Bewilligung für den Betrieb einer Gartenwirtschaft habe der Vorpächter jeweilszeitlich beschränkt für ein Speiserestaurant erhalten. Mit dem Wechsel des Patentinhabers mit neuem Betriebskonzept sei auch bezüglich der Aussenwirtschaft eine neue Beurteilung nötig geworden. Labhart habe daraufhin ein Baugesuch für die Nutzung des Lindenplatzes für eine Gartenwirtschaft eingereicht. Die Stadt führte in der Folge mit allen Beteiligten einen Augenschein vor Ort durch. Dabei sei ein Kompromiss mit Auflagen bezüglich der maximalen Anzahl Gäste, der Schliessungszeiten und der zulässigen Emissionen zustande gekommen. Labhart habe diese Auflagen im Nachhinein dann aber als zu hoch beurteilt und auf den Aussenbetrieb verzichtet. Das Baugesuch sei späterzurückgezogen worden.
Schwieriges Umfeld seit Corona
Auch die Bedürfnisse der Kundschaft haben den 68-Jährigen dazu veranlasst, sich gänzlich aus der Rorschacher Gastronomie rauszunehmen. «Die Kundschaft hat sich seit Corona stark dezimiert», sagt er. Der Umsatz sei um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. Dazu komme mehr Unruhe im Alltag: «Die Leute sind heute oft respektloser unterwegs als vorher». Ausserdem habe er das Pensionsalter erreicht.
Kein endgültiger Abschied als «Beizer»
Ganz verabschiedet sich Labhart trotzdem nicht aus der Gastronomie. Im Sommer steht er weiterhin in der «Hafenmole» in Staad im Einsatz (www.mole-staad.ch). Von Mittwoch bis Sonntag ist er dort anzutreffen. Saisonstart ist der 17. April.
Zukunft der «Musigbar Mariaberg» ist ungewiss
Wie es mit der Musigbar Mariaberg weitergeht, ist offen. Es habe zwar Interessenten gegeben. Eine Lösung fehlt aber bislang. Besonders die bei jüngeren Gästen beliebte Bar bleibt vorerst ab den 30. Juni geschlossen. Die Zukunft ist ungewiss.
Von Astrid Nakhostin