Simon Diezi
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Am 28. und 29. November steht die Lagerhalle im Kornhausbräu ganz im Zeichen der akustischen Musik. Das «Rorschach Unplugged» findet zum vierten Mal statt. Am ersten Abend wird für die Badhütte musiziert.
Rorschach Wenn am letzten Novemberwochenende das vierte «Rorschach Unplugged» beginnt, steht das Festival unter einem besonderen Vorzeichen. Der erste der beiden Abende ist der abgebrannten Rorschacher Badhütte gewidmet. Was als kleines Akustikexperiment der «Kleberei» gemeinsam mit der Rorschacher Band «Roman Games» begann, trägt inzwischen regionale undnationale Züge. Doch im Kern bleibt das Format, so Organisator Roman Elsener, genau das, was es immer sein sollte: «Ein Event, der dieVielfalt der Musik, die hier entsteht aufzeigt und sich Bands vernetzen können. So ist 'Unplugged' entstanden.»
Seit 2022 treten in Rorschach Künstlerinnen und Künstler ohne elektronische Hilfsmittel auf. Kein Verstärker, keine Effekte, keine digitalen Hilfen. Der Aufbau ist schlicht:Klavier, Gitarren, Kontrabass, Mikrofone. Jede Band erhält maximal 20 Minuten. Die akustische Reduktion und das straffe Timing prägen die Atmosphäre seit jeher.
An diesen Grundlagen wurde nichts verändert. Doch dieses Jahr erweitert sich der Kreis der Mitwirkenden. «Das Konzept ist genau das gleiche», sagt Elsener. «Geändert hat sich mit dem zweiten Abend,dass Bands von weiter weg kommen. Dadurch hat es eine nationale Komponente angenommen.» Entstanden ist diese damals, als Musikerinnen und Musiker aus Winterthur angefragt hatten, ebenfalls in Rorschach spielen zu dürfen. Daraufhin folgten Ableger wie «Winterthur Unplugged» dem Rorschacher Modell. Die Veranstalter laden im Gegenzug Rorschacher Acts ein.
Der Freitag, 28. November, ist der regionalen Szene vorbehalten. Die meisten der auftretenden Musikerinnen und Musiker kennen die Badhütte persönlich. Viele haben dort selbst gespielt, den Ort als Publikum erlebt oder sich künstlerisch inspirieren lassen. «Fast alle am Freitag sind Badhütte-Gänger», sagt Elsener. «Ich habe darauf geachtet, dass jene, die ich in der Badhütte kennengelernt habe, dabei sind.»
Einige Acts gestalten ihr komplettes Set als Hommage an die hölzerne Ikone. Andere bauen einzelne Stücke ein, weiss Elsener. Die Band Lapse of Time gelte unter den Beteiligten als «die Badhütte-Band». «Sie gehört selbstverständlich zum Programm», so Elsener.
Die Kollekte geht direkt auf das bestehende Spendenkonto der Stadt. Elsener verspricht keine unrealistischen Summen: «Uns ist bewusst, dass lediglich ein symbolischer Beitrag übergeben werden kann. Es soll aber zeigen, dass die Bevölkerung weiter hinter dem Projekt steht und macht, was sie kann, um die Badhütte bald wieder geniessen zu können.»
Der zweite Abend öffnet die Bühne für Bands von ausserhalb der Region Rorschach. Der Austausch funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Wer in Rorschach auftritt, lädt im eigenen Kanton wiederum Rorschacher Acts ein. «Dadurch entstehen Tourmöglichkeiten, die regionale Musiker möglicherweise nicht haben». Für Elsener ist dies eine logische Weiterentwicklung des ursprünglichen Gedankens: eine Szene schaffen und Verbindungen knüpfen.
Die Entscheidung für ein vollständig unverstärktes Format erleichtert einiges – und erschwert anderes. «Unplugged heisst bei uns ohne Effektgeräte und ohne Verstärker», erklärt Elsener. Die technische Vorbereitung bleibt dadurch überschaubar, gleichzeitig verlangt der Live-Sound mehr Präzision und Ruhe im Raum. Der schnelle Wechsel zwischen den Formationen sei eingespielt: kurze Wege, klare Abläufe, eingespielte Helferinnen und Helfer. Wie gross das Team hinter dem Festival ist, fasst Elsener kompakt zusammen: «Wir sind wenige, aber alle ehrenamtlich.» Der Aufwand sei erheblich, besonders bei zwei Abenden hintereinander. Aber mit der vierten Ausgabe bewege sich die Organisation «endlich auf soliden Füssen und stehe so professionell da wie noch nie». Dazu haben die Roman Games das Unplugged dieses Jahr erstmals ohne die Hilfe der Kleberei und dem erfahrenen Organisator Richard Lehner auf die Beine gestellt. »Nun wissen wir, wie es geht, freuen uns aufs Wochenende und sind für die Zukunft gut aufgestellt».
Von Marino Walser
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