Rorschacherberg vor der Wahl: Sparen oder investieren?
Vergangene Woche stellten sich vier von sechs Kandidierenden in der Mehrzweckhalle Rorschacherberg den Fragen der Moderatoren und des Publikums.
André Uttenweiler, Dominique Baumgartner, Anja Herzog und Stefan Beerli (von links) standen bei einer Podiumsdiskussion in der Mehrzweckhalle Red und Antwort auf die Fragen der Moderatoren und aus dem Publikum. Bild: Astrid Nakhostin
Vergangene Woche stellten sich vier von sechs Kandidierenden in der Mehrzweckhalle Rorschacherberg den Fragen der Moderatoren und des Publikums.
Die Mehrzweckhalle Rorschacherberg war vergangene Woche Schauplatz des Tagblatt-Podiums zu den bevorstehenden Ersatzwahlen. Zur Wahl stehen am 27. September das Schulpräsidium sowie zwei Sitze im Gemeinderat. Für das Schulpräsidium steht nur ein Kandidat, Dominique Baumgartner, parteilos, zur Wahl (siehe Bodensee Nachrichten vom 20. August). Für die beiden weiteren Sitze im Gemeinderat treten Stefanie Krebs (SP), Anja Herzog (Die Mitte), Birgit Akermann (FDP), André Uttenweiler (FDP)und Stefan Beerli (SVP). Stefanie Krebs und Birgit Ackermann fehlten bei der Podiumsdiskussion.
Die angespannte Finanzlage zog sich durch praktisch alle Themen. Der Steuerfuss liegt derzeit bei 105 Prozent. Gleichzeitig stehen grössere Investitionen an, insbesondere im Schulbereich. Konkrete Antworten blieben rar. André Uttenweiler forderte zunächst eine genaue Analyse der Ausgaben und Verpflichtungen. Erst danach könne man über weitere Steuererhöhungen sprechen. Auch Anja Herzog sieht Einsparpotenzial etwa durch Digitalisierung, warnte aber davor, bei bereits stark beanspruchten Bereichen einfach den Rotstift anzusetzen. Stefan Beerli verlangte ebenfalls, die Ausgaben kritisch zu hinterfragen. Bei der Schule müsse jedoch darauf geachtet werden, dass Sparmassnahmen nicht zulasten der Kinder gingen.
Besonders deutlich wurden die Unterschiede beim geplanten Seeuferweg. Das Projekt wurde vor Jahren von der Bürgerschaft gutgeheissen. Nun formiert sich Widerstand gegen die Umsetzung. Beerli lehnt den Bau angesichts der finanziellen Situation klar ab. Anja Herzog hingegen sieht im Seeuferweg eine Investition in Naherholung und Natur. Rorschacherberg werde dichter bebaut und brauche deshalb attraktive Freiräume. Uttenweiler und Dominique Baumgartner verwiesen auf den demokratischen Entscheid: Was die Bürgerschaft beschlossen habe, müsse grundsätzlich umgesetzt werden. Allerdings müsse man die heutigen Kosten und die veränderten Rahmenbedingungen berücksichtigen. Damit wurde am Podium ein zentraler Konflikt sichtbar: Was wiegt schwerer – ein früherer Volksentscheid oder eine inzwischen deutlich angespanntere Finanzlage?
Für den einzigen Kandidaten um das Schulpräsidium, Dominique Baumgartner, war die Schule naturgemäss ein Schwerpunkt. Rund 800 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Lehrpersonen und Mitarbeitende stellen die Gemeinde vor grosse organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Gleichzeitig müssen Schulraum und Angebote langfristig geplant werden.
Auch beim Handy in der Schule zeigte sich: Ein einfaches Ja oder Nein gibt es nicht. Baumgartner setzt auf klare Regeln, aber auch auf digitale Kompetenz. Smartphones und Computer seien aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken.
Einigkeit herrschte bei einem anderen Punkt: Rorschacherberg wird künftig stärker mit den Nachbargemeinden zusammenarbeiten müssen. Ob bei Gemeindedienstleistungen, Jugendangeboten oder Angeboten für ältere Menschen – regionale Lösungen könnte Kosten sparen und trotzdem mehr ermöglichen. Gerade beim betreuten Wohnen und bei Generationenprojekten sehen die Kandidierenden Handlungsbedarf. Eine älter werdende Bevölkerung werde die Gemeinde künftig stärker beschäftigen.
Aus dem Publikum kamen konkrete Fragen. Ein Votant verlangte mehr Einsatz für einen sicheren Veloweg entlang der Kantonsstrasse. Herzog sprach sich für die Förderung der Langsam-Mobilität aus. Beerli kritisierte, dass seit Jahren keine überzeugende Lösung vorliege. Auch wenn der Kanton zuständig sei, müsse sich die Gemeinde mit Nachdruck für ihre Bevölkerung einsetzen. Bei den Angeboten für Jugendliche wurde dagegen eine Lücke sichtbar. Eigene Angebote in der Gemeinde seien überschaubar. Die Kandidierenden verwiesen auf regionale Möglichkeiten, aber auch darauf, dass die Gemeinde nicht jede Aufgabe alleine lösen könne.
Am Ende hinterliess das Podium vor allem den Eindruck einer Gemeinde im Spagat: Rorschacherberg soll attraktiv bleiben, investieren und Zukunft gestalten – gleichzeitig muss der Haushalt wieder ins Gleichgewicht kommen. Viele Fragen bleiben dabei offen: Wie viel darf der Seeuferweg kosten? Wo kann die Gemeinde sparen? Wie viel soll sie künftig über den Steuerfuss finanzieren? Welche Aufgaben lassen sich künftig mit den Nachbargemeinden lösen? Auf diese Fragen wird der neue Gemeinderat Antworten finden müssen. Die Stimmberechtigten entscheiden am 27. September, wer dabei künftig am Tisch sitzt.
Astrid Nakhostin
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