14.07.2025 00:00
Sandskulpturen-Künstler trotzen dem KI-Rausch
«Natural Intelligence» beschäftigt die Künstlerinnen und Künstler am diesjährigen Sandskulpturen-Festival
Das Sandskulpturen-Festival in Rorschach geht diesen Sommer unter dem Motto «Natural Intelligence» – Natürliche Intelligenz an den Start – und stellt damit ganz bewusst einen Fuss in die Tür des aktuellen KI-Hypes. Neun Teams aus verschiedenen Ländern versuchen vom 9. bis 16. August auf der Arionwiese in Rorschach das anspruchsvolle Thema in Sandskulpturen umzusetzen.
Rorschach Während rund um den Globus über Künstliche Intelligenz zwischen Euphorie und Endzeitstimmung diskutiert wird, will Festival-Initiator Urs Koller genau das Gegenteil feiern – das, was uns Menschen ausmacht: echte, unverfälschte Denk- und Schöpfungskraft. «KI ist überall – aber wohin bringt sie uns?», fragt Koller nachdenklich. Bereits heute bestehe eine grosse Abhängigkeit von der KI. Als Beispiel führt er an: «Was, wenn auf dem Säntis plötzlich das Handy streikt?» Daher hat er den Künstlerteams dieses Jahr das Thema «Natural Intelligence» – natürliche Intelligenz – vorgegeben.
KI als Helfer oder Widerspruch zum Thema?
Aber was, wenn Künstler sich mit dem Thema etwas schwertun, darf dann eventuell KI bei der Umsetzung einer Skulptur über natürliche Intelligenz zur Hilfe genommen werden? KI hätte einige Ideen parat: Ein Bienenstock als Symbol kollektiver Intelligenz oder ein Netzwerk aus Baumwurzeln, das an neuronale Strukturen erinnert, zum Beispiel. «Das fände ich sehr schade», sagt Koller dazu. Für ihn steht fest: «Ich will, dass die Künstler selbst denken, fühlen, erleben. Das ist natürliche Intelligenz. Nicht der Output eines Chatbots.» Oder, wie er es augenzwinkernd ergänzt: vielleicht eben doch KI – nämlich Künstlerische Intelligenz.
Ideen sind auch vom Wetterabhängig
Das Thema sei tatsächlich anspruchsvoll und herausfordernd, bestätigt Karlis Ile aus Riga. Er kommt seit über zehn Jahren an das Festival nach Rorschach und hat mehrfach Preise gewonnen. Eine konkrete Idee oder gar Skizze für seine Skulptur in diesem Jahr hat er noch nicht. «Von Riga aus sind wir drei Tage mit dem Auto unterwegs – das ist eine gute Zeit, um darüber nachzudenken», sagt er.
Zudem müsse man flexibel bleiben und sich den Wetterverhältnissen anpassen: Bei instabiler Witterung sei es unter Umständen nötig, eine einfachere Variante der Skulptur zu wählen. Vor Ort tausche er sich mit den anderen Künstlerinnen und Künstlern aus. Viele kennen Ile und seine Frau, die zusammen ein Team sind, seit Jahren, es bestehen freundschaftliche Verbindungen. «Wenn sich herausstellt, dass andere Wettbewerbsteilnehmer ähnliche Ideen verfolgen, müssen wir spontan umdenken und uns etwas anderes einfallen lassen», erzählt Ile.
Erprobte Qualität statt Wachstum
Neun internationale Teams nehmen teil – darunter bekannte Gesichter aus früheren Jahren ebenso wie neue Talente. Die Zahl der teilnehmenden Gruppen ist seit 25 Jahren nahezu konstant geblieben. Wachstum ist für Urs Koller kein Ziel: «Es wird immer schwieriger, Hotels zu finden, die bereit sind, Übernachtungen zu sponsern – ein grosser Kostenfaktor für uns.» Statt auf Masse setzt er daher weiterhin auf Qualität und persönliche Betreuung der Teams.
Festival ohne Badhütte-Kulisse: geht das?
Auch wenn die legendäre Badhütte nach dem Brand als Ruine zurückblieb, trübt das für Koller nicht die Stimmung des Festivals. Emotional war der Verlust für ihn schwer: «Ich konnte wochenlang nicht daran vorbeigehen». Doch für das Festival ist klar: Die Magie entsteht im Sand, nicht im Hintergrund.
Auch nach einem Vierteljahrhundert ist der «Sandskulpturen-Vater» noch lange nicht festivalmüde. Auch wenn ihm das Event jedes Jahr«ein Fältchen mehr» beschert, denkt Koller noch lange nicht ans Aufhören.
Sandskulpturen bis September bestaunen
Das Festival findet vom 9. bis 16. August direkt am Ufer des Bodensees statt. Während dieser Woche können Besucherinnen und Besucher den Teams live bei der Arbeit zusehen. Die fertigen Skulpturen bleiben bis zum 7. September stehen und laden zum Bestaunen ein.
Infos auf www.sandskulpturen.ch
Von Astrid Nakhostin