Alexandra Musnig
wurde in die Kirchenvorsteherschaft Thal-Lutzenberg gewählt
Gemeindepräsident Dominik Gemperli (links) und Schulratspräsident Sandro Wasserfallen orientierten über den Jahresabschluss 2025
Die Rechnung der Gemeinde Goldach 2025 fällt deutlich erfreulicher aus als erwartet. Doch trotz eines um 3,4 Millionen Franken besseren Ergebnisses bleibt die finanzielle Lage angespannt. Der Gemeinderat von Goldach beantragt daher eine Steuerfusserhöhung. Gleichzeitig setzt er auf regionale Zusammenarbeit und Investitionen in Bildung und Infrastruktur.
Goldach Die politische Gemeinde Goldach kann für das Jahr 2025 ein deutlich besseres Resultat präsentieren als noch im Budget prognostiziert. Statt eines Aufwandüberschusses von 4,5 Millionen Franken schliesst die Rechnung mit rund 1,1 Millionen Franken Defizit ab – eine Verbesserung um 3,4 Millionen Franken. Anlässlich einer Medienkonferenz ordnete Gemeindepräsident Dominik Gemperli das Ergebnis ein: «Wir dürfen durchaus zur Kenntnis nehmen, dass das Resultat insgesamt erfreulich ist.» Gleichzeitig mahnte er zur Vorsicht: «Wir sprechen immer noch von einem Defizit. Die finanzielle Ausgangslage bleibt anspruchsvoll.»
Hauptgrund für das bessere Ergebnis sind höhere Steuererträge.Insbesondere Grundstückgewinn- und Handänderungssteuern fielen markant besser aus als erwartet. Insgesamt resultierte beim Steueraufkommen eine Besserstellung von rund 2,3 Millionen Franken.
Zudem habe man «permanent hinterfragt, welche Ausgaben wir allenfalls verschieben können», so Gemperli. Diese Ausgabendisziplin habe ebenfalls zum positiven Resultat beigetragen. Demgegenüber stehen
steigende Kosten in der Gesundheitsversorgung und in der sozialenSicherheit.
Für das Budget 2026 rechnet Goldach mit einem Defizit von rund 2 Millionen Franken – allerdings bereits unter Einbezug einer Steuerfusserhöhung um vier Prozentpunkte. Der Steuerfuss würde damit von heute 95 auf 99 Prozent steigen. Ohne Steuererhöhung läge das Defizit bei rund drei Millionen Franken.
Man sei sich bewusst, dass die Diskussion an der Bürgerversammlung «mit einer gewissen Agilität» geführt werde. Dennoch sei die Anpassung «kein Nice-to-have, sondern eine seriöse Planung für die Zukunft». Trotz Erhöhung bliebe Goldach im kantonalen Vergleich unter dem Durchschnitt.
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist die vertiefte Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt Rorschach. Geplant ist die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Unternehmung – ein Modell, das es im Kanton St. Gallen bislang nicht gibt. Zunächst sollen die Bereiche Bauverwaltung und Steuern gemeinsam organisiert werden. Der Steuerbereich bliebe in Goldach, die Bauverwaltung wäre an der Promenadenstrasse angesiedelt.
«Wir müssen uns so organisieren, dass wir den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden können», sagte Gemperli mit Blick auf den Fachkräftemangel. Ziel seien Effizienzgewinne und Synergien – perspektivisch auch Dienstleistungen für kleinere Nachbargemeinden wie Tübach oder Mörschwil. Eine politische Fusion der drei Gemeinden Goldach, Rorschach und Rorschacherberg sei hingegen «mittelfristig nicht realistisch».
Auch in der Schule steigen die Anforderungen – und die Kosten. Schulpräsident Sandro Wasserfallen, seit 1. August im Amt, zeigte sich mit dem Jahresergebnis dennoch zufrieden. Die Rechnung schliesst leicht besser ab als budgetiert – trotz höherer Personalkosten. «Bildung ist ein matchentscheidender Standortfaktor und nicht einfach nur ein Ausgabenposten», betonte Wasserfallen. Der Gesamtaufwand der Schule liegt bei 24 Millionen Franken, bei einem Gemeindeaufwand von insgesamt 57 Millionen. Die Schülerzahlen sind in fünf Jahren um rund 100 Kinder gestiegen. Pro zusätzlichem Schüler entstehen jährliche Kosten von rund 18'000 Franken. Gleichzeitig nehmen die Herausforderungen zu: mehr Kinder ohne Deutschkenntnisse beim Kindergarteneintritt, steigende Sonderschulanteile und wachsende Erwartungen an individuelle Förderung.
Die Bildungskommission setzt bewusst auf kleinere, ausgewogene Klassen im unteren Bereich der kantonalen Bandbreite. Dafür wird auf das kommende Schuljahr hin ein elfter Kindergarten eröffnet. Gleichzeitig wurden Entlastungsmassnahmen wie eine Reduktion der Logopädielektionen, eine Anpassung bei Funktionszulagen, eine Optimierung der Stundenpläne und moderate Tarifanpassungen bei der Musikschule und den Tagesstrukturen beschlossen. Ein geplanter Kleingruppen-Kindergarten für verhaltensauffällige Kinder wird nicht umgesetzt – mit einer Entlastung von rund 300'000 Franken. Wasserfallen dankte den Mitarbeitenden ausdrücklich: «Das ist nicht nur einfach. Aber sie tragen den Prozess mit dem entsprechenden Kostenbewusstsein mit.» Auf pädagogisch zentrale Angebote wie Lager und Exkursionen wolle man bewusst nicht verzichten: «Das ist von unglaublichem Wert für die Kinder.»
Trotz angespannter Lage hält die Gemeinde an zwei grossen Investitionsprojekten fest: dem Goldachpark (Umsetzung ab 2027) und der Zentrumsentwicklung mit Verlängerung der Müllergutstrasse, Bahnunterführung und Neugestaltung der Hauptstrasse. Zudem kommt am8. März das Projekt Energieverbund an die Urne. Gemperli sieht darin einen wichtigen Schritt für Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit: «Mit diesem Projekt können wir unsere Versorgung auf verlässliche Beine stellen.»
In Goldach entstehen in den kommenden Jahren über 200 neue Wohnungen. Die Einwohnerzahl dürfte damit mittelfristig auf 11'000 bis 12'000 Personen steigen. Gleichzeitig betont der Gemeinderat, Grünflächen und Lebensqualitäterhalten zu wollen. Die Herausforderung bleibt der Spagat zwischenAttraktivität und Haushaltsdisziplin. Oder wie es Gemperli formulierte: «Wir unternehmen alles,um sorgsam mit unseren Mitteln umzugehen. Aber wir wollen aucheineattraktive Gemeinde bleiben.»
Astrid Nakhostin
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