Simon Diezi
und die Gemeinde Thal suchen nach Wohnungen für Flüchtlinge
Nach langem hin und her hat sich der Schulrat Thal festgelegt: Die Jugendlichen aus Altenrhein müssen in den Wintermonaten den Weg in die Schule ohne Schulbus bestreiten. Die Eltern der betroffenen Kinder sind fassungslos. Sie wollen aber nicht aufgebnen.
Thal/Altenrhein In Thal kocht die Stimmung. Trotz lautem Protest, Petition und mehr als 300 Unterschriften hat der Schulrat entschieden: Der Winterschulbus für Oberstufenschülerinnen und -schüler aus Altenrhein wird definitiv gestrichen. Eltern sprechen von einem Schlag ins Gesicht. Der Schulrat hält dagegen und nennt den Entscheid sachlich und gut begründet.
Seit Jahrzehnten brachte der Winterschulbus Kinder aus Altenrhein und Staad sicher zur Oberstufe nach Thal. Wenn Schnee, Dunkelheit und Glatteis den Schulweg gefährlich machten, war der Bus eine sichere Lösung. Damit ist jetzt Schluss. Der Grund für diesen Entscheid: Die Gemeinde muss sparen. Ungefähr 35'000 bis 40'000 Franken kostete der Winterschulbus pro Jahr.
Trotz einer Petition mit Hunderten Unterschriften und einem Gespräch zwischen einem Komitee, vertreten von Eltern der betroffenen Kinder, hat der Schulrat den Entscheid diese Woche bestätigt. Der Schulbus bleibt gestrichen.
Schulratspräsidentin Mirjam Salvisberg verteidigt den Entscheid. Sie sagt, der Weg sei auch im Winter zumutbar. «Die Schülerinnen und Schüler meistern diesen während des ganzen Jahres sehr gut. Das Wetter verändert sich von Ende November auf den 1. Dezember nicht drastisch.» Das Komitee hält dagegen, dass der Einsatz des Winterschulbusses deshalb auch schon ab Anfang November Sinn machen würde, dieser in der Vergangenheit aber zumindest die lange, kalte und dunkle Winterzeit, die die Kinder auf dem Velo verbringen, verkürzt habe.
Die Gemeinde will stattdessen auf andere Massnahmen setzen. Beleuchtung auf den Strassen, Räumung, Spinde und doppelte Schulbücher sollen helfen. Für viele Eltern klingt das nach Hohn.
«Wir waren fassungslos und enttäuscht», sagt Nicole Buob vom Elternkomitee. «Nach 300 Unterschriften, einer Petition und einem Gespräch mit dem Schulrat hätten wir erwartet, dass das Anliegen nochmals ernsthaft geprüft wird. Stattdessen wurde der Bus gestrichen, bevor überhaupt eine Sicherheitsprüfung in Erwägung gezogen wurde.»
Das Komitee wirft dem Schulrat vor, Sicherheit auf Nebenschauplätze zu verlagern, obwohl der Winterschulbus im letzten Jahr von ebendiesem noch damit begründet wurde, dass damit die Sicherheit des Schulweges aufrechterhalten werden solle. «Spinde oder doppelte Schulbücher lösen kein einziges Verkehrsrisiko. Das Thema wird verharmlost. Es geht hier um Kinder, die im Dunkeln entlang stark befahrener Strassen fahren müssen.»
Auch die Alternativen zum Bus überzeugen nicht. Ein Mittagstisch, der schon in der Vorwoche gebucht werden muss, sei keine Lösung, sagen die Eltern. Und der öffentliche Bus sei keine Option. «Die Kinder wären über eine Stunde unterwegs für fünf Kilometer. Das ist nicht zumutbar», sagt Buob.
Besonders empört sind die Eltern, weil die Prüfung des Schulweges durch die zertifizierte Beratungsstelle für Unfallverhütung, kurz BFU, vom Schulrat kategorisch abgelehnt wird und lediglich eine verkehrstechnische Analyse durch die Kantonspolizei durchgeführt werden soll, die erst jetzt startet. «Wenn der Bus schon abgeschafft ist, bevor der Check beginnt, ist das keine unabhängige Prüfung. Das ist eine Rechtfertigung im Nachhinein», kritisiert das Komitee.
Die Gemeinde verweist auf Vorschriften. Salvisberg sagt, die Strassen seien signalisiert und beleuchtet, wie es die Kantonspolizei vorschreibe. Erst wenn die Kantonspolizei ihre Begehung abgeschlossen habe, wolle man weitersehen. Für viele Eltern ist das ein falsches Signal. «Wir hätten erwartet, dass man zuerst prüft und dann entscheidet, nicht umgekehrt. So verliert das Vertrauen.»
Besonders sauer stösst den Eltern auf, dass die Kinder in den unterschiedlichen Ortsteilen der Gemeinde Thal ungleich behandelt werden. Zum Beispiel begründet Salvisberg die Streichung des Winterschulbusses unter anderen mit der Fitness und Selbständigkeit, die bei Kindern aus Altenrhein und Staad gefördert werden soll. Genau diese Kinder legen aber bereits heute rund 3'000 Kilometer Schulweg pro Jahr alleine mit dem Velo zurück. Salvisberg widerspricht: «Der Bus über den Buechberg betrifft Kindergarten und Primarstufe. Wir sprechen von vier bis achtjährigen Kindern.» Für ältere Schülerinnen und Schüler sei der Weg zumutbar.
Im Kern geht es um die Frage, wer die Verantwortung trägt, wenn Kinder auf dem Weg zur Schule verunglücken. Salvisberg sagt, das Volksschulgesetz sei klar. «Für den Schulweg sind in erster Linie die Eltern zuständig.»
Das Elternkomitee hält fest: «Die Aussage von Frau Salvisberg entspricht nur der halben Wahrheit, denn sie lässt den Aspekt der Sicherheit und Zumutbarkeit des Schulweges komplett aussen vor. Per Gesetz sind die Gemeinden dazu verpflichtet, die Sicherheit des Schulweges zu gewährleisten und die Zumutbarkeit gegebenenfalls zu prüfen. Diese Pflicht wird nicht ernst genommen.»
Nach mehreren Gesprächen und einer Petition ist das Vertrauen der Eltern erschüttert. «Wir haben den Eindruck, dass die Entscheidung längst gefallen war. Argumente, Fakten und 300 Unterschriften wurden ignoriert», sagt Buob.
Aber aufgeben wollen die Eltern nicht. Im Gegenteil. Sie starten einen neuen Angriff, den Entscheid zu kippen. Inzwischen haben über 850 Menschen die Online-Petition «Schulwegsicherheit ist kein Luxus» unterschrieben. Eine weitere Petition, die von den Eltern ins Leben gerufen wurde, nachdem der definitive Entscheid verkündet wurde. Täglich werden es mehr. «Wenn auf diesen Strecken etwas passiert, wird sich die Frage stellen, ob die Gemeinde ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen ist», warnt das Komitee.
Von Marino Walser
Der Link zur Petition, falls du noch unterschreiben möchtest: https://act.campax.org/petitions/schulwegsicherheit-ist-kein-luxus-ja-zum-oberstufen-winterschulbus-in-thal
Katrin Schlenker antwortenIch werde meine Kinder selbst mit dem Auto bringen. Dann haben Sie das beliebte Mamitaxi - selberschuld und extra auch im Sommer😀
Tatj antwortenDas Machtgehabe und die Sturheit einer Schulbehörde müssen Jugendliche über sich ergehen lassen. Die Argumente der Behörde sind hanebüchen und nicht nachvollziehbar. Das kann ich als langjähriges, ehemaligesMitglied einer Bezirksschul- und Gemeindeschulpflege beurteilen.
Schlenker Jörg Besorgter Grossvater antwortenVerweichlicht eure Kinder noch mehr!! In der Oberstufe sind die Kinder alt genug um Selbstverantwortun und Eigenständigkeit zu lernen. Mit dem Fahrrad ist dieser Schulweg ganz sicher zumutbar. Mein Schulweg war 6 km lang und 300 m Höhendifferenz. Am Morgen runter, zum Mittagessen wieder hoch und am Navhmittag das selbe. [Im Zürcheroberland] Verwöhnte Kinder gibts genug. Loslassen lernen.
Walter Bolt antwortenMeine Enkel Tochter ist davon betroffen und ich bin der Meinung das sie auch mit dem Velo fahren könnte. Aber im Winter ist die Strasse zu gefährlich (Glatteis) und die lieben Autofahren zu ungeduldig, denn es muss immer schnell gefahren werden.
Besorgte Grossmutter antworten
Lade Fotos..