Alexandra Musnig
wurde in die Kirchenvorsteherschaft Thal-Lutzenberg gewählt
Wer arbeitet am effizientesten mit den Steuergeldern der Bevölkerung? Eine neue Analyse der Universität Bern sorgt derzeit schweizweit für Diskussionen – und wirft auch ein spannendes Licht auf die Gemeinden rund um den Bodensee.
Verwaltung Mit der Plattform gemeindeeffizienz.ch haben Forschende erstmals systematischuntersucht, wie effizient SchweizerGemeinden ihre Aufgaben erfüllen. Grundlage sind Finanzdaten und Leistungsindikatoren aus Bereichen wie Verwaltung, Bildung, Infrastruktur oder Soziales. Das Ziel:herausfinden, wo Gemeinden mitihren Mitteln besonders viel leisten und wo es Verbesserungspotenzial gibt. Ein Blick auf die Region zeigt: Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind erstaunlich gross.
Besonders gut schneiden in der Bodenseeregion die Gemeinden Goldach und Tübach ab. Beide Gemeinden erreichen im Vergleich mit strukturell ähnlichen Gemeinden überdurchschnittliche Effizienzwerte, vor allem in der Verwaltung und bei Infrastrukturleistungen. Kleinere Gemeinden profitieren häufig von schlanken Strukturen und kürzeren Entscheidungswegen. Goldach als eine eher grössere Gemeinde und Tübach mit nur rund 1'500 Einwohnerinnen und Einwohnern zeigen, dass öffentliche Leistungen effizient organisiert werden können. Etwa durch Kooperationen in regionalen Zweckverbänden oder durch gemeinsam geführte Institutionen. Beispiele sind der Kindes- und Erwachsenen- oder Bevölkerungs-/Zivilschutz. Den Goldacher Gemeindepräsidenten Dominik Gemperli, freut es, dass Goldach so gut abschneidet: «Das Ergebnis überrascht mich nicht und bestätigt, was wir immer wieder betonen: Die Gemeinde Goldach geht sorgsam mit den finanziellen Mitteln um und sorgt in diesem Zusammenhang auch für effiziente Verwaltungsstrukturen, wobei auch Prozessoptimierungen immer wieder geprüft und – soweit sinnvoll – auch umgesetzt werden.»
Anders präsentiert sich die Situation in der Stadt Rorschach. Im Effizienzvergleich schneidet die Seestadt eher im mittleren Bereich ab. Der Grund liegt teilweise in ihrer Rolle als Zentrum der Region: Rorschach übernimmt zahlreiche Aufgaben, die auch Einwohnerinnen und Einwohner umliegender Gemeinden nutzen. Von regionalen Verwaltungsdiensten bis zu sozialen Einrichtungen. So zum Beispiel das regionale BetreibungsamtRegion Rorsschach, an dem auch die Gemeinden Rorschacherberg, Tübach mit geplanten Erweiterungen (unter anderem für Goldach) beteiligt sind.
Solche Zentrumslasten erhöhen die Kosten pro Einwohner und können sich im Effizienzvergleich negativ auswirken, obwohl sie für die gesamte Region wichtig sind. Auch das regionale Zivilstandsamt für die Gemeinden Rorschach, Rorschacherberg, Goldach, Steinach, Thal und Tübach hat seinen Sitz in Rorschach. Stadtpräsident Robert Raths sieht durch die Zusammenlegung auch «finanziell positive Seiten für die Effizienz.»
Die Gemeinden Steinach und Rorschacherberg bewegen sich im Bereich des schweizerischen Durchschnitts. Die Analyse zeigt bei beiden Gemeinden ein relativ ausgeglichenes Bild: Während einzelne Aufgabenfelder besonders effizientorganisiert sind, liegen anderenäher am nationalen Durchschnitt. Insgesamt ergibt sich ein stabiles, aber nicht herausragendes Effizienzniveau.
Ein differenziertes Resultat zeigt sich auch in den Gemeinden Thal und Heiden. Hier schwanken die Werte je nach Aufgabenbereich stärker. Faktoren wie Topografie, Infrastruktur oder besondere Angebote – etwa touristische Einrichtungen – können die Kostenstruktur einer Gemeinde stark beeinflussen. Die Forschenden betonen deshalb, dass Effizienzwerte immer im Kontext der lokalen Rahmenbedingungen interpretiert werden müssen.
Gerade rund um den Bodensee zeigt sich bereits heute, dass Gemeinden verstärkt zusammenarbeiten. So führen mehrere Gemeinden der Region gemeinsame Verwaltungsstellen oder Zweckverbände. Solche Kooperationen können langfristig helfen, Kosten zu senken und gleichzeitig die Qualität öffentlicher Leistungen zu sichern.
Für die Forschenden der Universität Bern ist klar: Die Effizienzvergleiche sollen nicht Gemeinden gegeneinander ausspielen. Vielmehr geht es darum, Lernprozesse anzustossen. Wo arbeiten Gemeinden besonders effizient? Welche Organisationsformen funktionieren gut? Und wo könnten Kooperationen helfen, Ressourcen besser zu nutzen? Gerade in einer Region mit kurzen Distanzen wie rund um den Bodensee könnte der Vergleich deshalb eine wichtige Debatte anstossen über die Frage, wie Gemeinden künftig noch enger zusammenarbeiten können.
Von Astrid Nakhostin
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