Aufhebung Haltestelle Grossacker: «Das ist keine Förderung des ÖV»
Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember entfällt für sechs Postautolinien die Haltestelle Grossacker am Silberturm. Das Vorderland wie auch Tübach sind darüber wenig erfreut.
Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember entfällt für sechs Postautolinien die Haltestelle Grossacker am Silberturm. Das Vorderland wie auch Tübach sind darüber wenig erfreut.
Heiden/Tübach Beim Silberturm gibt es zahlreiche Geschäfte und Praxen mit diversen medizinischen Fachrichtungen. Umso praktischer ist, dass man mit sechs Postautolinien dort direkt ein- und aussteigen kann. Das gilt nicht mehr lange. Unter anderem werden die Linien von Arbon über Tübach nach St. Gallen, die Buslinie von Heiden über Eggersriet oder Rehetobel nach St. Gallen und die von Rheineck über Rorschach nach St. Gallen. Die Zahlen der Postauto AG von 2025 zeigen, dass pro Tag rund 600 Reisende beim Grossacker eingestiegen sind. Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember wird für die sechs Postautolinien die Haltestelle Gross-acker aufgehoben. Das sorgt gerade im Vorderland für Kopfschütteln. «Durch Rückmeldungen aus der Bevölkerung haben wir erfahren, dass die Haltestelle wegfallen wird. Wir haben daraufhin Kontakt mit dem Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen und der Fachstelle für öffentlichen Verkehr von Appenzell Ausserrhoden aufgenommen», sagt Robert Diethelm, Gemeindepräsident von Heiden. Dort habe er erfahren, dass bereits eine Stellungnahme gegen die Aufhebung eingereicht wurde. «Wir würden in erster Linie gerne wissen, wie das Monitoring vonstatten geht und wann das gemacht wird», so Diethelm. Das Monitoring soll scheinbar prüfen, ob der Grossacker als Postautohaltestelle weiter gerechtfertigt sei. Die Frage beziehungsweise der Brief bezüglich des Monitorings hat die Gemeinde letzte Woche verschickt und wartet nun auf eine Antwort.
«Es wird beschwerlicher»
Für den Fahrplanentwurf 2027 gab es eine öffentliche Mitwirkung, wobei Gemeinden nie separat angeschrieben werden. Bei der Mitwirkung seien 50 kritische Beiträge zur Aufhebung der Bushaltestelle Grossacker eingegangen. Das schrieb die «Appenzeller Zeitung». Diethelm sagt, er sei froh, dass die Fachstelle für öffentlichen Verkehr von Appenzell Ausserrhoden bereits reagiert habe. «Hätten wir es früher mitbekommen, hätten wir in Heiden ebenfalls eine Stellungnahme eingereicht. Zum Glück hat der Kanton reagiert», meint Diethelm. Die Haltestelle Grossacker ist für die Bevölkerung des Vorderlands eine wichtige Verbindung zu den medizinischen Angeboten im und um den Silberturm. Wie gross ist aus Diethelms Sicht die Bedeutung dieser Haltestelle insbesondere für ältere Menschen aus Heiden und den umliegenden Gemeinden? «Der Punkt ist: Für Direktbetroffene sind die Linien 120 und 121 eine sehr gute Verbindung. Man steigt in Heiden, Grub, Eggersriet oder Rehetobel ein und direkt beim Silberturm aus. Wer zum Arzt muss und nicht mit Auto fahren kann oder will, profitierte von der Verbindung», sagt Diethelm. Nun müsse man im Neudorf auf einen Stadtbus umsteigen. «Das verlängert die Reisezeit und für jene, die nicht gut zu Fuss sind, wird es beschwerlicher. Nicht die Gesunden gehen in die Arztpraxen. Wir können die Begründung der Aufhebung schlicht nicht nachvollziehen», meint der Gemeindepräsident. In dieser heisse es, dass die Stadt St. Gallen die Frequenz der Stadtbusse erhöhen wolle. «Für Menschen ausserhalb der Stadt ist das nicht gut und die Bedürfnisse werden nicht berücksichtigt», meint Diethelm.
«Kann Begründung nicht verstehen»
Er hat, seit der Bericht zur Aufhebung der Haltestelle in der «Appenzeller Zeitung» war, einige Rückmeldungen erhalten, auch aus anderen Gemeinden. «Diese zeigten sich dankbar, dass wir es angesprochen haben und es mit dem Monitoring nochmals geprüft werden soll. Wir hoffen, dass dieses nicht erst beim nächsten Fahrplanwechsel ausgewertet wird. Dann wäre es ein Placebo», so Diethelm. Der Kanton St. Gallen begründet den Entscheid mit einer klareren Aufgabenteilung zwischen Postauto und Stadtbus sowie kürzeren Reisezeiten für die Mehrheit der Fahrgäste. Ist diese Argumentation für Diethelm nachvollziehbar? «Ich brauche das Postauto ab und zu und bin meistens mit der Linie 120 unterwegs. Ich habe Schwierigkeiten, das nachzuvollziehen. Beim Grossacker und auch sonst fahren die Busse alle hintereinander. Und da stellt sich mir die Frage, ob es denn einen grossen Unterschied macht, wenn das Postauto auch noch 30 Sekunden hält», meint er. Er betont, er sei natürlich kein Fachmann für Verkehrsplanung, könne aber die Begründung nicht nachvollziehen. Für ihn hätte es auch weniger drastische Mittel gegeben, statt die Haltestelle aufzuheben. «Entweder man lässt den Halt in der Hauptverkehrszeit weg, wobei es auch viele Pendler gibt, die dort aussteigen oder man legt für Postautos nur einen Ausstieg fest. Ausserhalb der Stosszeiten könnte man normal halten», sagt Diethelm.
«Brauchen mehr Informationen»
Er habe in der Zeitung gelesen, dass das Ganze auch einen finanziellen Aspekt habe. Für jede angefahrene Haltestelle müsse ein Beitrag bezahlt werden. «Also spart man, wenn man eine Haltestelle aufhebt. Aber die Begründung des Amts für öffentlichen Verkehr war die Fahrplanstabilität. Wenn es ein rein finanzieller Aspekt ist, muss man ehrlich sein und das genauso sagen, satt sich hinter verkehrstechnischen Argumenten zu verstecken», sagt Diethelm. Will Heiden sich für den Erhalt der Haltestelle einsetzen? «Das Gute ist: Den Fahrplan könnte man auch unter dem Jahr anpassen. Heute ist das durchaus möglich. Wir warten derzeit auf ein Gespräch mit dem Amt für öffentlichen Verkehr wegen des Monitorings. Da brauchen wir mehr Informationen. Und wir wollen wissen, welches Problem es zu lösen gilt», so der Gemeindepräsident von Heiden. Der Grossacker sei vor Jahren bewusst als Halt bestimmt worden. «Natürlich ist das Kinderspital jetzt an einem neuen Ort, aber die Angebote des Silberturms sind noch da, auch weil es die Haltestelle gibt. Und wir dürfen nicht vergessen: Wir wollen den ÖV stärken – wenn nun plötzlich ein Anstieg der Reisezeit erfolgt, steigen viele vielleicht wieder auf das Auto um. Das ist keine Förderung des ÖV», ist Diethelm sicher.
Verständnis für das Vorderland
In Tübach, dessen Einwohnerinnen und Einwohner ebenfalls von der Aufhebung der Haltestelle Gross-acker betroffen sein könnten, war man nicht gegen die Aufhebung. «Bei der Haltestelle Theater haben wir uns klar gegen eine Aufhebung ausgesprochen, weil diese für die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule sowie für einen Teil der Oberstufenschülerinnen und -schüler eine wichtige Verbindung darstellt. Beim Grossacker beurteilen wir die Situation anders, insbesondere aufgrund des Wegzugs des Kinderspitals»,sagt Michael Götte, Gemeindepräsident von Tübach. Die Gemeinde unterstütze grundsätzlich das vorgesehene Hub-System: Die Regionalbusse sollen schnelle und verlässliche Verbindungen aus den Gemeinden ins Stadtzentrum und zum Bahnhof sicherstellen. «Die Feinerschliessung innerhalb der Stadt übernehmen die Stadtbusse. Deshalb hat Tübach weder im Rahmen der Fahrplanbegehren noch bei den Gesprächen zur Nachfolgeregelung der regionalen öV-Vereinbarung Einwände gegen diese Änderung erhoben», so Götte. Der Gemeinde würden keine Zahlen darüber vorliegen, wie viele Fahrgäste aus Tübach die Haltestelle Grossacker nutzen. «Die erwähnten 600 täglichen Einsteigerinnen und Einsteiger beziehen sich auf alle sechs Linien und erlauben deshalb keine Aussage zur Nutzung durch die Tübacher Bevölkerung. Mit dem Wegzug des Kinderspitals dürfte sich zudem die Nachfrage verändern», meint Götte. Er verstehe aber durchaus das Anliegen aus dem Vorderland: «Gerade für ältere Menschen kann ein zusätzlicher Umstieg beschwerlich sein. Gemäss Angaben des Amts für öffentlichen Verkehr führt die Umstellung bei rund acht Prozent der Fahrgäste der betroffenen Regionalbuslinien zu einer längeren Reisezeit durch einen Umstieg auf den Stadtbus. Entscheidend sind deshalb gut abgestimmte Anschlüsse und möglichst kurze, unkomplizierte Umsteigewege», meint Götte. Aus Sicht von Tübach wurde über die geplante Änderung informiert. Die Aufhebung der Haltestelle Gross-acker für Regionalbusse wurde am 26. Februar 2025 im Rahmen der Gespräche zur Nachfolgeregelung der «Vereinbarung regionaler öV» zwischen den Regionsgemeinden und der Stadt St.Gallen besprochen. «Im März 2025 stellte das Amt für öffentlichen Verkehr die Änderung auch in der öV-Kommission vor, in der ich unsere Region vertrete. Tübach hat dabei keine Einwände gegen die Aufhebung erhoben», erinnert sich Götte.
«Fahrgäste ernst nehmen»
Der ÖV-Beitrag der Gemeinden dürfte mit Aufhebung der Haltestelle günstiger werden. Was meint Götte: Sparen um jeden Preis oder Bedürfnisse der Bevölkerung in den Vordergrund stellen? «Für uns ist ein leistungsfähiger und verlässlicher öffentlicher Verkehr zentral. Dazu gehört immer auch ein sorgsamer Umgang mit öffentlichen Geldern. Ausschlaggebend für unsere Haltung ist der verkehrliche Nutzen: Die Regionalbusse sollen die umliegenden Gemeinden möglichst direkt und zuverlässig mit dem Stadtzentrum und dem Bahnhof verbinden. Gleichzeitig müssen wir die zusätzlichen Umstiege für die betroffenen Fahrgäste in dieser Abwägung ernst nehmen.»
Stefanie Rohner
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