05.06.2025 06:00
Brücke für Langsamverkehr
Unteregger Gemeinderat will Entscheidung noch in laufender Legislatur fällen
Eine Bürgergruppe aus Untereggen setzt sich für den Bau einer Fussgänger- und Velobrücke nach St.Gallen ein. Das Projekt, für welches die Bürgergruppe 576 Unterschriften sammeln konnte, steht nach wie vor auf der Kippe – dies wegen zwei gefährdeten Vogelarten.
Untereggen Die Kantonsstrasse von der Martinsbrugg nach Untereggen muss saniert werden, da der als Rutschgebiet bekannte Streckenabschnitt trotz bestehender Verbauungen immer noch ein Risiko für die Verkehrssicherheit darstellt. Im technischen Bericht des Projekts werden Fussgänger und Velofahrer jedoch nicht berücksichtigt. Der Grund: Ein Geh- und Radweg abseits der Strasse zu bauen, würde grössere bauliche Herausforderungen nach sich ziehen und wäre schlichtweg zu teuer. Seit Januar 2023 sind die Gemeinden im Kanton St.Gallen aufgrund des Velo-weggesetzes allerdings dazu verpflichtet, sichere Verbindungen für den Langsamverkehr bereitzustellen. Die Lösung: Der Langsamverkehr soll über eine Fussgänger- und Velobrücke über das Goldachtobel nach St.Gallen geleitet werden. Zumindest ist dies die Idee des Gemeinderates. Denn obwohl das Vorhaben in Untereggen von vielen unterstützt wird, steht eine Realisierung alles andere als fest.
Hängebrücke wäre die Lösung
Angedacht ist der Bau einer 170 Meter langen Hängebrücke vom Gebiet Altrüti in Untereggen über das Goldachtobel bis zum Falkensteig in St.Gallen. Dass dies technisch möglich ist, bestätigte eine Machbarkeitsstudie bereits 2016. Das Problem liegt jedoch woanders: Laut der Schweizerischen Vogelwarte nisten im Gebiet des Goldachtobels mit dem Uhu und dem Wanderfalken gleich zwei gefährdete Vogelarten. Ob dies die Umsetzung des Projekts verunmöglicht, wollte das zuständige Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen aufgrund der Tatsache, dass noch kein konkretes Projekt vorliegt, nicht beurteilen. Gegenüber dem St.Galler Tagblatt äusserte das Amt im März jedoch starke Bedenken, dass ein solches Projekt aus Sicht des Naturschutzes bewilligungsfähig sei. Mitte Mai hat nun eine Bürgergruppe aus Untereggen eine Unterschriftensammlung bei der Gemeinde Untereggen eingereicht, die eine rasche Umsetzung der Velobrücke fordert. Insgesamt konnte die Bürgergruppe 576 Unterschriften sammeln.
Rund 360 der Unterzeichnenden wohnen in Untereggen, was mehr als einem Drittel der Einwohnerzahl entspricht. Die weiteren 216 Unterschriften stammen von Fussgängerinnen und Velofahrern aus der Umgebung, die mit dem Projekt sympathisieren. «Viele Untereggerinnen und Unteregger pendeln jeden Tag nach St.Gallen. Die Postautos sind allerdings häufig überfüllt, und mit dem Velo ist die Strecke aufgrund der engen Platzverhältnisse und des hohen Verkehrsaufkommens sehr gefährlich zu befahren. Im Zuge der Strassensanierung muss also zwingend eine andere Lösung für Fussgänger und Velofahrer her», sagt Elsbeth Blaser, die die Bürgergruppe gemeinsam mit Sonja Brunner, Simone Streule und Rainer Benz ins Leben gerufen hat. Momentan weiche wohl der eine oder andere auf das Auto aus, meint Blaser. Für Leute, die kein Auto besitzen oder aus ökologischen Gründen auf zu häufiges Autofahren verzichten wollen, sei dies allerdings keine Option. Über die Unterstützung der Bürgergruppe freut sich auch der Unteregger Gemeinderat. Das Projekt beschäftige die Gemeinde seit Jahren und habe höchste Priorität. «Das Engagement der Bürgergruppe und die vielen gesammelten Unterschriften zeigen dem Gemeinderat die breite Unterstützung der Bevölkerung für das Projekt. Wir erhoffen uns eine Signalwirkung für den weiteren Verlauf des Verfahrens. Leider hat die Unterschriftensammlung keine rechtliche Wirkung», sagt Stefan Fuchs, Gemeinderatsschreiber und Leiter der Bauverwaltung.
Entscheidung soll bis 2028 gefällt werden
Dass der Bau einer Hängebrücke durch das Goldachtobel gefährdete Vogelarten bedrohen könnte, bereitet auch der Bürgergruppe Sorgen. Der Schutz der Umwelt sei schliesslich einer der Hauptgründe, weshalb man sich so vehement für eine funktionierende Veloverbindung nach St.Gallen einsetze. Trotzdem könne man nicht ganz nachvollziehen, weshalb die Vögel mit einer Hängebrücke nicht koexistieren könnten. So stehe zum Beispiel in Goldach eine Fussgängerbrücke im Wald, bei der man gemeinsam mit der Vogelwarte Sempach gute Lösungen gefunden habe, wie die Sicherheit der Vögel sichergestellt werden kann. «Eine Hängebrücke in den Wald zu bauen, ist unbestritten ein Eingriff in die Natur. Andere Beispiele aus der Region haben allerdings gezeigt, dass sich auch umweltverträgliche Lösungen realisieren lassen. Unsere Hoffnung ist, dass wir das in Untereggen auch hinbekommen», so Blaser. Laut dem Unteregger Gemeinderat wird das Projekt intensiv weiterverfolgt. Es erfolgen weitere detaillierte Gespräche mit den zuständigen Stellen. Da die Brücke auf St.Galler Stadtgebiet enden würde, ist man dabei für jeden Schritt im Austausch mit dem St.Galler Stadtrat, dem Stadtingenieur und anderen Stellen. Die Kosten für eine Brücke werden auf etwa 3,6 Millionen Franken geschätzt, wovon der Grossteil von Kanton und Bund getragen würde. Die Gemeinden Untereggen und St.Gallen müssten insgesamt zwischen 10 und 20 Prozent der Projektkosten übernehmen. Ob das Projekt tatsächlich umgesetzt wird, ist allerdings nach wie vor unklar. Der Gemeinderat hofft, dass noch in der laufenden Legislatur bis 2028 eine Entscheidung gefällt werden kann. Bis jetzt habe sich jedenfalls – seit Übergabe der Unterschriften – soweit man wisse, nicht viel getan, gibt Elsbeth Blaser auf Anfrage Auskunft.
Selim Jung