29.10.2026 06:01
Gemeinderatskandidat verzichtet auf Wahlplakate – für die Badhütte
Stefan Beerli will in den Gemeinderat Rorschacherberg. Die Gemeinde hat bekanntlich die finanzielle Unterstützung der Badhütte wegen der angespannten Finanzlage vorerst abgelehnt. Beerli will nun auf Wahlplakate verzichten und das Geld an die Badhütte spenden.
Rorschacherberg Stefan Beerli, Gemeinderatskandidat der SVP Rorschacherberg und Mitglied der Geschäftsprüfungskommission (GPK), verzichtet im laufenden Wahlkampf bewusst auf das Aufstellen von Wahlplakaten im Rorschacherberger Gemeindegebiet. Das geht aus einer Medienmitteilung der SVP Ortspartei Rorschacherberg hervor. Den dadurch eingesparten Betrag würde er er der Stiftung Badhütte Rorschach spendet. «Damit setzt er ein konkretes Zeichen für deren Erhalt. Gleichzeitig unterstützen Beerli und die SVP Rorschacherberg den Entscheid des Gemeinderates, vorerst keinen Gemeindebeitrag zu sprechen», heisst es in der Mitteilung weiter. Zunächst sollen die Finanzierungsmöglichkeiten durch Bund und Kanton, die Denkmalpflege, weitere öffentliche Stellen, Stiftungen, Unternehmen sowie private Spenderinnen und Spender konsequent ausgeschöpft werden. Verbleibt danach eine für die Realisierung entscheidende Finanzierungslücke, soll der Gemeinderat eine Beteiligung erneut prüfen.
250 Franken gespendet
Zu den Beweggründen äusserte sich Beerli schliesslich noch genauer in einem Gespräch mit den Bodensee Nachrichten. Was hat ihn dazu gebracht? «Das ist eine gute Frage. Wie gesagt, bin ich absolut nicht dafür, dass die Gemeinde Rorschacherberg für die Badhütte finanziell aufkommen muss. Das sollen Private finanzieren. Aber ich bin absolut nicht gegen die Badhütte, auch wenn es so gewirkt hat», sagt Beerli. Er habe sich überlegt, dass er eigentlich keine Lust habe, erneut Plakate aufzustellen, sie wieder abzubauen und zu entsorgen.
«Ich beschloss, darauf zu verzichten und das eingesparte Geld an die Stiftung Badhütte zu spenden. Das habe ich bereits getan – 250 Franken habe ich an die Stiftung überwiesen», sagt Beerli. Er sieht darin eine Win-Win-Situation: Die Stiftung Badhütte könne das Geld bestimmt gebrauchen und er würde nicht unnötig Abfall produzieren.
Eigenverantwortung wahrnehmen
Für ihn ist es zudem kein Widerspruch, etwas für den Wiederaufbau zu spenden und gleichzeitig den Entscheid des Gemeinderats Rorschacherberg gutzuheissen. «Der Gemeinderat hat ja nicht gesagt, er werde nie finanzielle Unterstützung leisten, aber jetzt aufgrund der angespannten finanziellen Lage entschieden hat, das nicht zu tun. Stellen Sie sich nur mal vor: Wenn jetzt nur tausend Private, von den rund 22’000 erwachsenen Einwohnern von Rorschach, Rorschacherberg und Goldach, denselben Betrag spenden wie ich, dann kommt schnell eine Viertelmillion zusammen», sagt Beerli. Er appelliere an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. «Wenn man etwas will, kann man nicht immer die Gemeinde auffordern, in die Tasche zu greifen, sondern vielleicht selbst etwas dazu beitragen», meint der Gemeinderatskandidat. Erwarten die Bürgerinnen und Bürger womöglich zu viel von den umliegenden Gemeinden? «Meiner Ansicht nach ja. Goldach hat entschieden, finanzielle Unterstützung zu leisten, Rorschach ebenfalls. In beiden Fällen muss das Stimmvolk aber noch zustimmen», so Beerli. In Rorschach wird an der Bürgerversammlung im Frühjahr 2027 über den Sonderkredit von einer Million abgestimmt. Die Bürgerschaft hat bereits an der Versammlung vom März grünes Licht für das Startkapital der Stiftung in der Höhe von rund 420'000 Franken gegeben. Die Gemeinde Goldach plant ein zinsloses Darlehen von 500'000 Franken – das Darlehen muss durch die Bürgerschaft im Budget 2027 abgesegnet werden.
Wahlkampf oder Interesse?
Stefan Beerli befindet sich weiterhin im Wahlkampf, auch wenn er auf die Plakate verzichtet. Erhofft er sich durch seine Spende an die Stiftung Badhütte mehr Stimmen? «Natürlich erhoffe ich mir – wie übrigens alle Kandidierenden – durch jede Aktion mehr Stimmen. Die FDP wird ja auch noch Bratwürste verkaufen und einen Teil des Erlöses an die Stiftung spenden. Da steht dann auch der Wahlkampf und nicht die Badhütte im Vordergrund», so Beerli. Dass die Badhütte bei allen Kandidierenden immer thematisiert wurde – vor allem in Interviews mit den Medien – versteht er, sieht dort aber nicht den Schwerpunkt. «Wir haben in Rorschacherberg andere wichtige Themen. Eines davon ist der Seeuferweg, der geplant wird. Wir sollten uns eher mit diesen Dingen beschäftigen», meint er.
Acht Millionen für den Aufbau
Der zweite Wahlgang für die Ergänzungswahl von zwei Mitgliedern des Gemeinderates in Rorschacherberg findet am 29. November statt. Würde sich Beerli nach einer allfälligen Wahl allenfalls für eine finanzielle Beteiligung Rorschacherbergs am Wiederaufbau der Badhütte einsetzen?
«Schwieriges Thema. Aktuell finde ich: klares Nein. Aber sollte später die Finanzierung noch immer nicht gesichert sein, kann man sich das Ganze sicherlich nochmals anschauen. Ob ich dann dafür oder dagegen stimme, kommt auf die Rahmenbedingungen an. Zuerst muss man dann die Finanzen prüfen», so Beerli. Zuerst solle die Gemeinde Rorschacherberg aber auf die anstehenden grösseren Investitionen in der eigenen Gemeinde achten, bevor die Badhütte unterstützt wird. Seit Ende April ist die Stiftung Badhütte offiziell gegründet – die Stiftung Badhütte Rorschach trägt die rechtliche und finanzielle Verantwortung für Wiederaufbau, Betrieb und Unterhalt.
Der originalgetreue Wiederaufbau der historischen Badhütte wird mit Gesamtkosten von rund 6,5 Millionen Franken beziffert. Um auch den künftigen Betrieb und den Unterhalt über Jahre hinweg abzusichern, versucht die Stiftung insgesamt acht Millionen Franken zu sammeln.
Stefanie Rohner