16.09.2026 00:00
«Ich bin zuversichtlich, dass wir 2028 wieder in der Badhütte schwimmen»
Am 19. September lädt der Verein Badhütte zur ersten Hauptversammlung. Präsident Richard Lehner spricht über den Mitgliederboom, die Enttäuschung über den Entscheid von Rorschacherberg und seine Zuversicht, dass die Badhütte 2028 wieder eröffnet wird.
Vereinsversammlung Die Badhütte ist weit mehr als ein Badehaus am Bodenseeufer – sie ist für viele Menschen in Rorschach und der Region ein Stück Heimat. Nach dem Brand, der die traditionsreiche Badhütte zerstörte, wurde am 11. November 2025 im Café «GönnDir» an der Signalstrasse der Badhütte-Verein gegründet. Die Initiative entstand auf Wunsch der Stadt Rorschach mit dem Ziel, möglichst viele Menschen für den Wiederaufbau der Badhütte zu gewinnen und das Projekt ideell wie finanziell zu unterstützen.
Verein als Bindeglied
Der Verein versteht sich als Bindeglied zwischen Bevölkerung und der neu gegründeten Badhütte-Stiftung. Er will den Wiederaufbau begleiten, den späteren Betrieb der Badhütte unterstützen und die Geschichte und Erinnerungen rund um den beliebten Treffpunkt bewahren. Gleichzeitig sollen Mitglieder und Öffentlichkeit regelmässig über den Stand des Wiederaufbaus informiert werden. Geplant sind zudem Veranstaltungen, generationenübergreifende Aktivitäten und der Austausch unter den Mitgliedern. Mit der ersten Hauptversammlung am 19. September zieht der Verein nun eine erste Bilanz und gibt gleichzeitig einen Ausblick auf die nächsten Schritte beim Wiederaufbau. Präsident Richard Lehner spricht im Interview über den überraschend grossen Mitgliederzuwachs, die Aufgaben des Vereins, die Finanzierung des Projekts und seine Hoffnung, dass die Badhütte bereits im Mai 2028 wieder eröffnet werden kann.
Richard Lehner, was ist die Rolle des Vereins gegenüber der Stiftung?
Richard Lehner: Die Stiftung ist für den Wiederaufbau und die Geldbeschaffung zuständig. Wir als Verein sind die Stimme der Badegäste. Wir sammeln Geld für den künftigen Betrieb und für Anschaffungen, die den Badegästen zugutekommen. Das könnten Sonnenschirme, Veranstaltungen und anderes sein. Wir stehen auch in engem Austausch mit der Badhütte Stiftung. Unser Verein ist aber auch da, um die Stimmung der Leute aufzunehmen. Viele waren schockiert, als die Badhütte niederbrannte. Wir waren da, um das aufzufangen, und haben ein Erinnerungsbuch aufgelegt, in das die Leute schreiben können. Ein zweites Buch dokumentiert jetzt den Weg zur neuen Badhütte.
Wie entwickelt sich der Verein?
Sehr gut. Wir hoffen, an der Hauptversammlung das 400. Mitglied begrüssen zu dürfen. Der Zulauf ist ungebrochen. Unsere Mitglieder kommen längst nicht mehr nur aus Rorschach, sondern aus der ganzen Schweiz und sogar aus Berlin und London. Das zeigt, wie gross die Verbundenheit mit der Badhütte ist. Der Verein wurde ja erst vor rund 10 Monaten gegründet und man kann sagen, dass wir «raketenstark» gestartet sind.
Wie viel Geld hat der Verein inzwischen gesammelt?
Das geben wir an der Hauptversammlung bekannt. So viel kann ich sagen: Es ist «ein rechter Batzen». Denn neben den eigentlichen Mitg liedschaftsbeiträgen à 30 Franken gab es auch noch zahlreiche Spenden. Was uns wichtig ist: Die Gelder der Mitglieder verwalten wir sehr sorgfältig. Im Moment bauen wir zudem einen kleinen Shop mit T-Shirts, Klebern und Ähnlichem auf.
Rorschacherberg will nichts an den Wiederaufbau zahlen. Enttäuscht Sie das?
Natürlich ist das eine grosse Enttäuschung. Wir werden das Thema an der nächsten Stiftungsratssitzung am 23. September mitdiskutieren. Letztlich ist das aber Sache der Stiftung, wie sie mit der Gemeinde Rorschacherberg verhandelt. Die Badhütte ist etwas Überregionales, ein Treffpunkt für Menschen aus Rorschach, Goldach, Rorschacherberg und weiteren Gemeinden. Wir freuen uns deshalb über jeden Rappen.
Ist das ein schlechtes Zeichen für die regionale Solidarität?
Ich bin kein Politiker und es ist auch nicht die Aufgabe des Badhütte Vereins, Politik zu betreiben. Die Badhütte liegt in Rorschach, aber sie wird von Menschen aus der ganzen Region genutzt. Natürlich würden wir uns freuen, wenn Rorschacherberg nochmals auf den Entscheid zurückkäme.
Was ist Ihr Ziel für die Hauptversammlung?
Der Austausch mit den Mitgliedern. Wir zeigen auch erstmals die Detailpläne für den Wiederaufbau und geben den Leuten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und so den Wiederaufbau aktiv mitzuverfolgen. Auch Nichtmitglieder sind willkommen.
Wenn Sie heute wetten müssten: Schwimmen die Rorschacherinnen und Rorschacher 2028 wieder in der Badhütte?
Aufgrund der Gespräche mit der Stiftung bin ich zuversichtlich, dass die Badhütte im Mai 2028 eröffnet wird. Der Baubeginn ist hoffentlich im Verlauf des nächsten Jahres.
Zum Schluss eine persönliche Frage: Sie haben sich bereits unzählige Male für Rorschach engagiert – als Autor, Schatzsucher und Kleberei-Initiant und nun noch als Präsident des Badhütte-Vereins. Haben Sie diese zusätzliche Herausforderung gesucht?
Dieser «Job» ist eine absolute Herzensangelegenheit. Ich bin mit der Badhütte aufgewachsen. Nächstes Jahr werde ich 70 und ziehe mich bereits seit einiger Zeit von verschiedenen Ämtern zurück. Aber die Badhütte liegt mir sehr am Herzen. Und wir haben einen sehr guten Vorstand, in dem auch junge Leute mit dabei sind und auf den ich zu 100 Prozent zählen kann.
Weitere Informationen
Die erste Hauptversammlung des Vereins Badhütte findet am
Samstag, 19. September, von 10 bis 12 Uhr im Stadthofsaal B in Rorschach statt. Anmeldungen auch für Nichtmitglieder sind bis spätestens 17. September noch möglich:
info@badhuette-verein.ch.
Von Astrid Nakhostin