Schifffahrtsstreit: Kommt nun die gemeinsame Tageskarte?
Die Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) und die deutschen Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) streben nach dem Streit eine gemeinsame Tageskarte an.
Die Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) und die deutschen Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) streben nach dem Streit eine gemeinsame Tageskarte an.
Tourismus Der Streit zwischen der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) und den deutschen Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) drehte sich um Ticketgelder, Tarifsysteme und die Verteilung der Einnahmen im grenzüberschreitenden Verkehr. Die SBS kritisierte, zahlreiche Passagiere mit deutschen Tickets transportiert zu haben, ohne dafür entschädigt worden zu sein. Unterschiedliche Kontrollsysteme und eigenständige Entscheide hätten die Spannungen zusätzlich verschärft. Der Konflikt rückte auch politisch in den Fokus. Das Kriegsbeil wurde öffentlich begraben und man geht nun aufeinander zu.
«Eine Woche nach diesem Anlass haben sich alle Verantwortlichen der drei Bodensee-Schifffahrtsbetriebe erneut getroffen. Dazu hatte der internationale Bodenseerat (IBR) eingeladen», sagt Benno Gmür, Verwaltungsratspräsident der SBS. An jenem Treffen wurde ein Zeitplan erstellt man künftig mit der Situation umgehen werde. «Zwei Massnahmen konnten wir noch kurzfristig auf die diesjährige Saison festlegen, Konstanz wird durch die SBS aber erst 2027 wieder angefahren», so Gmür. Im Zusammenhang mit den Gratistickets habe man sich einigen können, das werde nun gegenseitig akzeptiert. Unter der Leitung von IBR-Präsident Frank Hämmerle, der Moderation durch den designierten IBR-Präsidenten Alfred Stricker, dem ehemaligen Regierungsrat des Kantons Appenzell Ausserrhoden, tauschten die Vertreter der drei Reedereien des Bodensees Gedanken zu einer allfälligen gemeinsamen Tageskarte aus – zusätzlich zur bestehenden Bodensee Card Plus sowie der VSU-Saison-Card.
Auch das Partyschiff Euregia darf den Betrieb wieder aufnehmen. Hintergrund: Die Euregia, eine ehemalige Autofähre, die der BSB und der SBS über viele Jahre hinweg gemeinsam gehört hatte, wurde Ende 2024 ausser Betrieb genommen. Die SBS übernahm die Fähre als Party- und Eventschiff. SBS und die BSB wurden sich zunächst aber nicht einig darüber, ob diese Nutzung erlaubt ist. Die Deutschen sagten: Vereinbart gewesen sei eine stationäre Nutzung im Hafen, keine regelmässigen Partyfahrten über den See. Deshalb sprachen sie von Vertragsbruch, forderten eine neue Bewertung des Schiffs und erhoben weitere finanzielle Ansprüche. Die SBS sah den Vertrag dagegen als eingehalten. Besonders brisant: Die Partyfahrten führen nach Friedrichshafen – also in einen deutschen Hafen. Durch den Streit waren die Events also gefährdet. «Wir hatten einige schlaflose Nächte, solange noch keine Einigung im Raum stand», sagt Andreas Karlinger, Geschäftsführer des Friedrichshafener Eventunternehmens «KingKarla».
Team sowie Gäste und Stammgäste seien verunsichert gewesen, ob die gebuchten Events denn nun stattfinden würden oder nicht. «Herausfordernd war auch, dass wir erst so richtig mit der Vermarktung der Tickets beginnen konnten, als die Verhältnisse weitgehend geklärt waren. Erst im Dezember fanden wir für diese Saison eine Übereinkunft», so Karlinger weiter. Die Euregia dürfe nun zwei Stunden vor Eventbeginn und eine Stunde nach Eventbeginn in Friedrichshafen ankern. Als Gegenleistung erhebe die BSB eine Gebühr im niedrigen fünfstelligen Bereich. «Wir hoffen, dass wir diese Vereinbarung auf die kommende Saison verlängern können» so der Veranstalter. Hauptsache sei, dass die Eventreihe fortgesetzt werden könne, die längst grosse Bedeutung auch für die Tourismusbranche der Region habe. «Unsere Gäste kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für die Hotellerie und die Gastronomie sind die 10 000 Besucherinnen und Besucher pro Saison ein nicht unerheblicher Gewinn.»
Auch Gmür zeigt sich erleichtert, dass Einigungen erreicht werden konnten. Zudem hat er sich entschuldigt. «Ich hatte dem ORF ein Interview gegeben, indem ich die BSB als Bodensee-Mafia bezeichnete. Unglücklicherweise wurde es erst gesendet, nachdem wir das Kriegsbeil begraben hatten, daher war die BSB verärgert», sagt Gmür. Beim Treffen letzte Woche ging es um die Frage, wie Schiffsausflüge auf dem Bodensee für Touristinnen und Touristen noch attraktiver gestaltet werden könnten, ohne die wirtschaftlichen Interessen der Betriebe zu beeinträchtigen. Hierzu wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingesetzt. «Die Aufteilung des Topfes der Tageskarte ist eine grosse Herausforderung wegen der Währungskomponente», so Gmür. Auch die Preise müssten beidseitig angepasst werden. «Die BSB fährt mehr Kilometer zum selben Umsatz wie wir. Wir müssen mit den Preisen wohl runter, die BSB muss sie erhöhen», sagt Gmür. Nun sei aber die Türe offen, um die Probleme anzupacken und Knacknüsse zu lösen. «Es steht uns viel Arbeit bevor. Wir müssen bis Ende Juni eine Lösung haben, da wir unsere Preise mit den deutschen und den schweizerischen ÖV-Betrieben abstimmen müssen für die Saison 2027», sagt Gmür.
Eine gemeinsame Tageskarte wäre nicht nur für die Touristinnen und Touristen wünschenswert, sondern für alle Mitarbeitenden der SBS. «Wir haben derzeit Ordner mit hundert unterschiedlichen Varianten, wie Tickets gelöst werden können. Das ist schlicht nicht mehr zeitgemäss. Egal wie lange ein Schiff fährt und wohin, es muss für alle Kassierenden auf den Schiffen eine Erleichterung geben. Und die Touristen hätten eine viel bessere Übersicht», betont Gmür. Was für ihn klar ist: Eine gemeinsame Tageskarte sei zentral für eine Einigung – und wäre ein Zeichen des Neuanfangs.
Stefanie Rohner
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